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Klassiker

ProustMarcel Proust,
Der gewendete Tag

Proust komprimiert. Das Lesevergnügen bleibt gleich bzw. einzigartig! Bibliophile Jubiläumsausgabe zum
150. Geburtstag Marcel Prousts am 10. Juli 2021. Ein Muss für Proust-Verehrer und alle, die es werden wollen. Die «Recherche» en miniature: eine repräsentative Auswahl aus 19 Prosaperlen, die aufs Ganze einstimmt.


/um 150. Geburtstag des großen französischen Romanciers am 10.7.2021 erscheint hier ein Destillat von Prousts siebenbändigem Hauptwerk in Neuausgabe. Darin begegnet man bereits den Guermantes und Verdurins, Albertine und vielen anderen bekannten Figuren aus dem Proust-Kosmos, oft in überraschender Beleuchtung und reizvoller Akzentuierung. Bei «Der gewendete Tag» handelt es sich um ein Mosaik aus neunzehn Prosastücken, die von 1912 bis 1923 in Zeitschriften erschienen und «Die Suche nach der verlorenen Zeit» eindrucksvoll vorbereiten und ergänzen. In der kongenialen Übersetzung von Christina Viragh und Hanno Helbling bietet dieser spezielle Band Kennern wie Entdeckern einen komprimierten Proust.

Marcel Proust, Der gewendete Tag, Manesse (www.manesse-verlag.de), 704 Seiten,
ISBN 978-3-7175-2530-1, 25 Euro.

 

Flaubert_1Gustave Flaubert,
Bouvard und Pécuchet

Neben Madame Bovary das bedeutendste Werk von Flaubert. Das Buch ist so wunderschön gestaltet, dass es schon großen Spaß macht, es in die Hand zu nehmen -
und erst darin zu lesen!

Flauberts Werk steht am Anfang des modernen Romans. In seinem satirischen Spätwerk »Bouvard und Pécuchet« betreten zwei absurd komische Antihelden die Bühne. Flauberts posthum erschienener satirischer Schelmenroman »Bouvard und Pécuchet« ist neben »Madame Bovary« eines seiner bedeutendsten Werke. Die Geschichte der beiden Pariser Büroangestellten ist ein großes Lesevergnügen. Durch eine Erbschaft unerwartet zu Reichtum gelangt, ziehen sich Bouvard und Pécuchet aufs Land zurück, um sich fortan der Forschung und dem Wissensdrang zu widmen - und in allem grandios
zu scheitern.

Gustave Flaubert (1821-1880), aufgewachsen in der Normandie als Sohn eines Arztes, gilt als einer der besten Stilisten der französischen Literatur. Obwohl er von seiner Familie darin nicht bestärkt wurde und er selbst sein Schaffen stets kritisch hinterfragte, folgte er schon früh seinen literarischen Neigungen. Bereits sein Erstlingswerk »Madame Bovary« sorgte mit einem Prozess wegen Sittenverstoßes für Aufsehen. Sein Roman »L’Éducation sentimentale« gilt u. a. durch die neue Konzeption der Figuren als maßgeblich für die Entwicklung des Genres.

Der vielfach ausgezeichnete Übersetzer Hans-Horst Henschen hat über Jahrzehnte an einer sorgfältigen und lebendigen Neuübersetzung gearbeitet. Hans-Horst Henschen (1937 – 2016) war der kenntnisreichste unter den deutschen Flaubertianern. Er hat auch Werke von Philippe Ariès, Roland Barthes, Claude Lévi-Strauss und Aldous Huxley übersetzt. 1997 erhielt er den Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung.

Gustave Flaubert, Bouvard und Pécuchet, Wallstein Verlag
(https://www.wallstein-verlag.de), 464 Seiten, ISBN 978-3-8353-3927-9, 34 Euro.

 

OesterreichJosef von Neupauer,
Österreich im Jahre 2020

Schönes Buch. Kurios und trotzdem fesselnd. Empfehlenswert.

Am 13. Juli 2020 begeben sich zwei Amerikaner auf eine Reise durch ein exotisches und rätselhaftes Land: Österreich. Das kleine Land ist eingebettet in einen europäischen Staatenbund, an dem England nicht teilnimmt, und organisiert von einem perfekten, allgegenwärtigen, interesselosen Verwaltungsapparat. Europa bildet einen gemeinsamen Sanitätsbezirk, was die Einschleppung von Krankheiten unmöglich macht. Es gibt keine Armee, kein Geld und keinen Privatbesitz mehr, es herrscht Wohlstand. Die Gütergemeinschaft ist friedlich und sanft. In Wien stehen nur noch drei Kirchen, Kaiser und Adel sind glitzernde Statisten einer klassenlosen Gesellschaft. In Österreich herrscht utopischer Kommunismus mit Monarchie. Die beiden Amerikaner kommen aus dem Staunen nicht heraus.

Die Reisenden, ihre wechselnden Reiseleiter und Urlaubsbekanntschaften machen Ausflüge in der Umgebung Wiens, durchstreifen Stadt und Natur, besuchen Feste, Kultur- und Sportereignisse, und lassen sich Schritt für Schritt Österreich erklären. Wir erhalten Einblicke in eine datumsgenau jetzige und völlig fremde Welt. Die Rolle der Frau, die Aufgabe des Künstlers, das Leben und der Wert der Menschen überhaupt – das Panorama, das sich entfaltet, ist so skurril, umständlich und schrullig, wie sonst nur die Wirklichkeit selbst.

Josef von Neupauer, Österreich im Jahre 2020, Luftschacht Verlag (https://www.luftschacht.com), Hardcover mit Goldprägung, ISBN 978-3-903081-50-5,
26 Euro.

 

HammettDashiell Hammett,
Der Malteser Falke

Der wohl berühmteste Krimi der Welt – endlich neu übersetzt! Ein Genuss! Ein Muss!

Sam Spade und sein Partner Miles Archer betreiben in San Francisco eine Privatdetektei. Alles beginnt mit einem scheinbar harmlosen Auftrag: Die umwerfende »Miss Wonderly« bittet die beiden Detektive darum, ihre kleine Schwester aufzutreiben, die durchgebrannt ist mit einem Mann. Doch schon in der nächsten Nacht gibt es zwei Tote. Und einer davon ist Archer, mit dessen Frau Spade eine Affäre hat.

Dann erscheint ein schmächtiger Typ bei Spade und bietet ihm 5000 Dollar für die Wiederbeschaffung einer kostbaren Vogelskulptur – nur um ihn gleich darauf mit einer Pistole zu bedrohen und sein Büro nach dem »Malteser Falken« zu durchsuchen. Schnell wird klar: Die beiden Fälle hängen zusammen, und Miss Wonderly ist nicht die, für die sie sich ausgibt.

Dashiell Hammett, Der Malteser Falke, Kampa Hardcover (https://kampaverlag.ch),
336 Seiten, ISBN 978 3 311 12021 6, 22 Euro.

 

Thoreau_HDWalden_201161Henry D. Toreau, Walden

Inspirierend! Und außerdem Pflichtlektüre für alle Fortschrittsskeptiker, Sinnsucher, Weltflüchtige sowie Wald- und Naturliebhaber! Ein Klassiker von enormer Brisanz: ein leidenschaftliches Plädoyer für Verantwortung, Selbstbestimmung und ein naturnahes, ressourcenschonendes Leben. Nirgendwo finden sich die besseren Argumente für Achtsamkeit und Nachhaltigkeit, Minimalismus und Vegetarismus.

Was ist im Leben wirklich von Bedeutung? Um dies herauszufinden, kehrte Henry David Thoreau vor über hundertfünfzig Jahren der Zivilisation den Rücken und zog hinaus in die Stille der Wälder. Am Walden-See in Concord, Massachusetts, verbrachte er zwei Jahre in einer selbst gebauten Holzhütte, um «zu sehen, ob ich nicht lernen könne, was es zu lernen gibt, damit mir in der Stunde des Todes die Entdeckung erspart bleibe, nicht gelebt zu haben». Der grandiose Selbsterfahrungsbericht «Walden» legt Zeugnis von seiner Suche ab: mit sensiblen, poetischen Naturbeschreibungen und dem glaubhaften Plädoyer für echte Naturverbundenheit und ein selbstbestimmtes Dasein. Längst ist dieses Buch zu einer Art grüner Bibel geworden, in der man die besten Argumente für Nachhaltigkeit, Ökologie, Vegetarismus und Minimalismus findet.

Henry David Thoreau (1817-1862) wurde in Concord, Massachusetts, geboren und arbeitete zunächst als Volksschullehrer. Mit "Walden" begründete er die Tradition amerikanischer Naturessayistik. Seine Schriften - darunter sein Werk "On Civil Disobedience" - hatten weltweiten Einfluss auf Bürgerrechts- und Umweltschutzbewegungen und inspirierten u.a. Tolstoi, Gandhi und Martin Luther King.

Henry D. Toreau, Walden, Manesse Bibliothek (https://www.randomhouse.de), Hardcover mit Schutzumschlag, ca. 608 Seiten, ISBN 978-3-7175-2508-0, 25 Euro.

 

PoeEdgar Allan Poe/Charles Baudelaire (Hrsg.), Neue unheimliche Geschichten

Zum Sterben schön – die Poe-Werkausgabe
für das 21. Jahrhundert!

Die Abgründe der menschlichen Seele, die Schattenwelt zwischen Leben und Tod – niemand hat sie so genau beschrieben wie Edgar Allan Poe. Elektrisiert von den Umbrüchen seiner Zeit und den kühnen Experimenten der Wissenschaft hat Poe der Angst alles Schauerlich-Beschauliche genommen – der Beginn der literarischen Moderne. Sein Werk war von Anfang an eine Provokation im puritanischen Amerika. Erst in Frankreich fand er posthum geistiges Exil: Kein Geringerer als Charles Baudelaire übersetzte Poes Werk in fünf Bänden und legte damit den Grundstein für seinen
weltweiten Ruhm.

Edgar Allan Poe/Charles Baudelaire (Hrsg.), Neue unheimliche Geschichten, dtv Literatur (https://www.dtv.de), 392 Seiten, ISBN 978-3-423-28215-4, 30 Euro.

 

Joris-Karl Huysmans, Die Schule der SatanistenJoris-Karl Huysmans,
Die Schule der Satanisten
(Là-bas)


Ein Klassiker, den man gelesen haben muss, den man verschlingt – fantastische Neuübersetzung von von Caroline Vollmann.

„Ein hinreißendes Buch“ (Ronald Pohl/Der Standard). „Huysmans Abstieg in die Hölle ist ein Schlüsseltext der Dekadenz-Bewegung der 1890er ... Ein originärer Wegbereiter der Horror-Stücke von H.P. Lovecraft ebenso wie des Nihilismus von Michel Houellebecq“ (Sophia Martelli/The Guardian).

„Den Teufel zu verehren ist nicht wahnwitziger als Gott anzubeten“, erklärte Joris-Karl Huysmans höchstselbst. Als sich der französische Schriftsteller in seinen letzten Lebensjahren einmal mehr auf Sinnsuche begab, geriet er immer tiefer in die Vorstellungswelten okkultistischer Kreise. Nachdem er mit seinem Roman „Gegen den Strich“ bereits zum Kultautor der Dekadenz avanciert war, verarbeitete er in „Die Schule der Satanisten“ seine Erfahrungen mit der Anbetung des Leibhaftigen.

Im Treibhaus der Blumen des Bösen ist diese giftige Blüte erwachsen. Statt von ferner Lust und Pein zu fabulieren, führt die „Schule der Satanisten“ direkt in die Hölle auf Erden: Der Protagonist und Schriftsteller Durtal schreibt an einem Werk über den Kinderschänder Gilles de Rais und befasst sich zunehmend mehr mit dem Satanskult in all seinen Erscheinungsformen. Astrologie, Alchimie, Séancen und andere Praktiken des bürgerlichen Fin de Siècle üben eine große Faszination auf ihn aus. Darüber gerät er mehr und mehr ins gesellschaftliche Abseits. Als ihm eine lustlose Affäre mit Hyazinthe Chantelouve Zugang zu einer orgiastischen Schwarzen Messe verschafft, packen ihn Abscheu und Ekel ...

„In all den Jahren war Huysmans mein Gefährte, mein treuer Freund“, bekennt Michel Houellebecq. „Nie überkamen mich Zweifel, nie war ich versucht, ihn aufzugeben.“
André Breton hingegen lobt Huysmans’ einzigartigen Humor: „Er ist selbstlos. Er lässt dem Leser einen Vorsprung, sich über den Autor zu mokieren, über die Exzesse seiner greinenden, grauenhaften oder komischen Beschreibungen.“

Joris-Karl Huysmans, Die Schule der Satanisten (Là-bas), Haffmans Verlag bei Zweitausendeins (www.zweitausendeins.de), 416 Seiten, Leinen mit Prägung, Fadenheftung und Lesebändchen, ISBN 978-3963180088, 12,90 Euro.

 

luther_bible_1Die Luther-Bibel von 1534

Ein Meisterwerk!
Die 1534 erschienene Lutherbibel veränderte die Weltgeschichte nachhaltig. Sie machte die Bibel für Laien zugänglich und markierte gleichzeitig eine Zäsur in der Geschichte des Christentums. Sie führte im Folgenden zur Kirchenspaltung und Bildung des Protestantismus.
In diesem mit großer Sorgfalt hergestellten zweibändigen Nachdruck präsentiert TASCHEN sowohl das Alte als auch das Neue Testament in Luthers bahnbrechender Übersetzung. Auf der Grundlage des kostbaren Originals der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, das heute zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählt, offenbart der Band die vielschichtige Pracht dieser Bibel, mit ihrem akkuraten Schriftbild, ihren kunstvollen Initialen und den vorzüglichen farbigen Holzschnitten aus der Werkstatt Lucas Cranachs des Älteren. Stephan Füssel, geschäftsführender Leiter des Instituts für Buchwissenschaft an der Johannes-Gutenberg-Universität zu Mainz, bereichert diese Publikation durch detaillierte Beschreibungen der Illustrationen sowie einer Einleitung, die Luthers Leben und die weltbewegende Bedeutung seiner Bibel beleuchtet.
Die Luther-Bibel von 1534, Taschen Verlag (www.taschen.com), Hardcover, 2 Bände mit Begleitheft im Schuber, 15,5 x 24,5 cm, 1920 Seiten, ISBN 978-3-8365-3821-3,
39,99 Euro.

 

Peter PanPeter Pan in Kensington Gardens

Der Klassiker von James Matthew Barrie, magisch illustriert von Arthur Rackham, gebunden – ein wahres Kleinod.
„... vielleicht könnten wir alle fliegen, wenn wir so todsicher davon überzeugt wären, es zu können, wie der kühne Peter Pan ...“ Jedes Kind weiß, dass Peter Pan in Nimmerland lebt, mit der Fee Tinkerbell befreundet ist und gegen Captain Hook kämpfen muss. Aber hast du dich noch nie gefragt, wo Peter Pan herkommt, wie er aufgewachsen und wann er von zu Hause ausgerissen ist? Peter Pan in Kensington Gardens ist die erste, die ursprüngliche Erzählung von James Matthew Barrie, in der die Figur des Peter Pan zum ersten Mal auftaucht. Eine Geschichte über den Ur-Peter-Pan, über die große Welt der kleinen Dinge, der Elfen und Tiere, über den Zauber der Musik – und natürlich über das Fliegen!
Peter Pan in Kensington Gardens, Verlagshaus Mescheryakov (www.idmi-verlag.com), von James Matthew Barrie, Illustrationen von Arthur Rackham, 216 Seiten, gebunden, Hardcover, ISBN 978-3-902755-14-8, 24,90 Euro.

 

PeterchensMondfahrtGerdt von Bassewitz,
Peterchens Mondfahrt

Von Franka Pollak
Das Buch mag ich sehr. Es ist spannend und knapp
geschrieben. Außerdem ist es das Lieblings-Kinderbuch meines Vaters, der auch Peter heißt. Warum es nicht Annelieses Mondfahrt heißt, frage ich mich. Aber es ist halt von
einem Mann.

Der Urahn der Maikäfer-Familie Sumsemann verliert durch einen gemeinen Holzdieb ein Beinchen. Die Nachtfee hat Mitleid mit ihm und sagt, dass zwei Kinder, die noch nie ein Tier gequält haben, zusammen mit dem Maikäfer zum Mond fliegen und das Beinchen zurückholen dürfen. Doch vergehen viele Jahre, bis es endlich einem Sumsemann gelingt, brave Kinder zu finden.
Das sind die Geschwister Peterchen und Anneliese. Zusammen fliegen die drei Richtung Mond und landen auf der Sternenwiese. Dort treffen sie das Sandmännchen, das ihnen seine Hilfe anbietet. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zur Nachtfee, dort erfahren sie, wie sie zum Mond und an das sechste Beinchen kommen. Die Nachtfee gibt ihnen den Großen Bär als Hilfe. Vorbei geht es an Weihnachtswiese und Osternetz zur Mondkanone. Sie schießt Peterchen, Anneliese und den Maikäfer Sumsemann zum Mondberg, auf dem die große Birke mit dem sechsten Beinchen steht. Dort angekommen, erwartet sie der Mondmann, der nur durch eine Gegenleistung bereit ist, das Beinchen herauszugeben. Doch egal wie viel ihm die Kinder auch geben, der Mondmann verlangt stets nach mehr und stürzt sich schließlich auf die Kinder. Ein erbitterter Kampf beginnt. Aber die Kinder gewinnen und sie kleben dem Sumsemann das gefundene Beinchen wieder an.
Zum Autor: Gerdt von Bassewitz, geboren am 04.01.1878 in Allewind; gestorben am
06.02.1923 in Berlin. Bassewitz schrieb viele Dramen, die zu seinen Lebzeiten auch aufgeführt wurden. Aber er war ziemlich erfolglos. 1920 schrieb er „Peterchens Mondfahrt“ – und deswegen kennt man ihn noch und liebt ihn und Peterchens Mondfahrt.
Gerdt von Bassewitz, Peterchens Mondfahrt, insel taschenbuch (www.suhrkamp.de), Broschur, 108 Seiten, ISBN 978-3-458-35320-1, 7 Euro.

 

Die EddaDie Edda

Man muss sich reinlesen, aber dann wir man mit archaischer Schönheit und Weisheit belohnt.
Die Lieder der Edda, zwischen dem 9. und dem 12. Jahrhundert entstanden, beschwören die alten germanischen Götter und Helden herauf. Sie erzählen von Anfang und Ende der Welt, vom Himmel, von der Erde und dem Totenreich. Sie zeigen den Menschen im Bann magischer Kräfte, aus denen er sich zu befreien sucht. Die Heldendichtung enthält Lieder zu verschiedenen Sagen. Die größte Liedreihe behandelt Stücke aus dem Nibelungensagenkreis (Nibelungenlied), hauptsächlich verschiedene Varianten des Brünhild-, Gudrun- und Sigurdstoffes; es wird von Liebe, Verrat und blutiger Rache berichtet. Bruchstücke verschiedener Heldengeschichten schließen sich an, unter denen das Herwödlied besonders hervorzuheben ist; hier wird von einer Frau erzählt, die als Krieger verkleidet auszieht und es als Einzige wagt, die Nacht neben dem Grabhügel ihres Vaters zu verbringen. Ihr Lohn ist ein herrliches Schwert, das ihr der Tote auf ihre Forderung hin übergibt.
In der Götterdichtung erfährt man von Odins Ritt zum Totenreich, dem Wettangeln Thors mit einem Riesen und wie Loki, der zwiespältigste der nordischen Götter, in Zankreden die anderen Götter lächerlich macht. Mystisches Wissen vermittelt ein Frage- und Antwortspiel. Das Lied Der Seherin Gesicht, das den Höhepunkt altnordischer Dichtkunst bildet, entfaltet die mystische Geschichte der Welt bis zu ihrem Untergang und Neubeginn. Die Lehrlieder überliefern Ratschläge für das alltägliche Leben und allgemeine Weisheiten. Im Rätsellied wird eine Reihe Rätselbilder aufgereiht, in den Zauberliedern und der Runenweisheit findet sich magisches Gedankengut; mit dem Urfehdebann liegt ein Zeugnis nordischen
Rechtsempfindens vor.
Arthur Hänys Übersetzung beruht auf der wichtigsten, wohl in Island entstandenen Handschrift, dem «Codex Regius». Die Edda, Manesse Verlag (www.randomhouse.de), Gebundenes Buch, Leinen mit Schutzumschlag, 592 Seiten, ISBN 978-3-7175-1730-6,
22,90 Euro.

 

Thomas Wolfe, OktoberfestThomas Wolfe, Oktoberfest

Gelesen von Dominik Schönleben
Dieses zweisprachige Büchlein (deutsch - englisch) ist das ideale kleine Geschenk für Preußen und andere Zugereiste, um ihnen den Flair der Wiesn endlich nahe zu bringen. Thomas Wolfe schildert Erfahrungen vom Oktoberfest, die er selbst erlebt hat, untermalt von nostalgischen Photos in Schwarz-
Weiß. Nur ein echter Besuch des blau-weißen Wunders kann es mit dieser Erzählung in all ihren farbenfrohen
Facetten aufnehmen.

Das größte und schönste Volksfest der Welt – gefeiert vom
US-amerikanischen Starautor Thomas Wolfe. Dieses literarische Wiesn-Schmankerl lotet alle Höhen und Tiefen des feuchtfröhlichen Spektakels aus. Es zeigt, wie man sich in München verlieben und unter Bayern sein weiß-blaues Wunder erleben kann. Festbier, Tracht und Prügel – «München hat mich beinahe umgebracht», stöhnte Thomas Wolfe nach einer Wiesnschlägerei. Doch trotz gebrochener Nase und etlicher Platzwunden hielt er seiner Schicksalsstadt zeitlebens die Treue. Kein Ort auf der Welt bezauberte den großen amerikanischen Schriftsteller mehr, kein Ort bescherte ihm – im Guten wie im Bösen – so überwältigende Gefühle.
Auf höchst amüsante Weise wird in diesem Buch geschildert, wie aus dem Greenhorn aus North Carolina ein München-Liebhaber und Wahlbajuware wurde. Wolfe offenbart sein Schwanken zwischen Befremden und Faszination angesichts endemischer Bierseligkeit, seine aufflammende Begeisterung beim Mitschunkeln, das Glück rauschhafter Hingabe. Und nach jäher Ernüchterung finden sich just in Oberammergau segensreiche Hände, die dafür sorgen, dass die ramponierte Dichterstirn auch wieder verheilt.
Thomas Wolfe, Oktoberfest, Manesse Verlag (www.manesse.ch), 112 Seiten, gebundenes Buch mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-7175-4083-0, 10 Euro.

 

ÖdönÖdön von Horváth,
Jugend ohne Gott

»Ein kleines Buch empfehle ich Ihnen, ›Jugend ohne Gott‹
von Horváth. Es ist großartig und schneidet quer durch den moralischen Weltzustand von heute.«
Hermann Hesse an Alfred Kubin.

Eine Schule in Zeiten des totalitären Regimes: Der vierunddreißigjährige Geographie- und Geschichtslehrer der Unterstufe ist, obwohl er mit den Werten der herrschenden Faschisten nicht einverstanden ist, zunächst ein Mitläufer des Systems. Auf einer Klassenfahrt realisiert er, dass die Erziehung der Schüler zum Militarismus lediglich zu Kälte, Mangel an Toleranz und Gottlosigkeit führt. Als er sich in einen Streit der Jugendlichen einmischt, lädt er selbst Schuld auf sich. Die Geschichte eines Lehrers, der versucht, sich mit humanistischen Idealen gegen die faschistischen Tendenzen seiner Schüler zu wehren, zählt zu den großen Klassikern der Moderne.
Ödön von Horváth, Jugend ohne Gott, dtv (www.dtv.de), 176 Seiten,
ISBN 978-3-423-13854-3, 6,90 Euro.

 

SabatoErnesto Sabato, Der Tunnel

Ein Klassiker der Weltliteratur, Camus war begeistert von seiner Intensität.
Der gefeierte Maler Juan Pablo Castel ist ein Mörder. Im Gefängnis legt er schonungslos dar, wie ihm seine Leidenschaft für die mit einem Blinden verheiratete María zum Verhängnis geworden ist.
Der Tunnel ist der existenzialistische Roman nicht nur der argentinischen, sondern der gesamten lateinamerikanischen
Literatur – Vergleiche mit den großen Werken eines Jean-Paul
Sartre, Albert Camus oder auch Max Frisch sind
durchaus angebracht.
Ernesto Sabato, Der Tunnel, Verlag Klaus Wagenbach
(www.wagenbach.de), Aus dem argentinischen Spanisch von Helga Castellanos, 160 Seiten, ISBN 978-3-8031-2639-9, 9,90 Euro.

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